
Filipendula ulmaria
Süsse Fülle, Überfluss, Milderung, Fluss und Lösung, Wärme in Bewegung
Das Mädesüss wächst dort, wo das Wasser sich sammelt: an Bachufern, Nasswiesen, in Auenwäldern und an Gräben. Dort entfaltet es seine volle Üppigkeit und treibt bis zu 150 cm hohe rötlich angelaufene Stängel, die im oberen Teil in überschäumende, cremefarbene Blütenrispen auseinandertreiben. Die Blüten öffnen sich schubweise, verströmen einen intensiven, süsslichen Mandel-Honig-Duft und locken unzählige Insekten an. Am Stängel sind unpaarig gefiederten Laubblätter angeordnet. Diese sind an ihrer Oberseite hellgrün gefärbt. An der Unterseite sind sie fast kahl und hellgrün oder silbrig behaart.
Süsse Fülle, Überfluss, Milderung, Fluss und Lösung, Wärme in Bewegung
Die mildernde Königin
Das Mädesüss ist die Pflanze der süssen Fülle und der milden Lösung. Wo Hitze, Spannung und Starrheit sich festgesetzt haben — in Gelenken, Muskeln, Schleimhäuten — bringt die Wiesenkönigin Fluss und Milderung. Der Mädesüss-Typ trägt viel und gibt viel, neigt zur Überhitzung und zum Festhalten. Die Pflanze fördert die Bereitschaft, Spannung loszulassen und sich dem Fluss anzuvertrauen — so wie das Wasser, an dem sie wächst, alles in Bewegung hält.
Mädesüss, Wiesenkönigin
Die überschäumenden weissen Blütenrispen — schiere Fülle und Grosszügigkeit — stehen für das Wesen der Wiesenkönigin: geben ohne Zurückhalten. Der süsse Duft, der beim Mähen noch intensiver wird, verweist auf die lösende, mildernde Qualität. Der Wasserstandort spricht für Fluss, Beweglichkeit und das Auflösen von Starre. Die ulmenartigen Blätter verbinden die Pflanze mit dem Thema der Verwandlung und Durchlässigkeit.
Das Mädesüss ist in ganz Europa und Nordasien verbreitet und wächst an nährstoffreichen, feuchten bis nassen Standorten: Bachufern, Nasswiesen, Auwäldern und Gräben. In der Schweiz ist es im Mittelland und in den Voralpen häufig.
Ceres bezieht Mädesüss aus Wildsammlung. Die unterirdischen Teile (Wurzeln und Wurzelstock) werden im Herbst von Hand geerntet.
Das Mädesüss gehört zu den geschichtsträchtigsten Heilpflanzen Europas. In der Bronzezeit wurde es in Schottland und England in Gräbern beigelegt, was auf rituelle und heilkundliche Bedeutung hindeutet. Die Kelten und Germanen schätzten es als Opferpflanze und verwendeten es im Mittelalter als Aromatisierungsmittel für Met und Bier — daher der Name «Metsüsse». Salicylsäure wurde 1853 erstmals aus Mädesüssblüten isoliert und gab dem späteren Aspirin seinen Namen («Spireae herba» → «Aspirin»).
Traditionell wurde Mädesüss bei Erkältungskrankheiten, Fieber und grippalen Infekten eingesetzt — schweiss- und harntreibend. Bei rheumatischen Beschwerden, Gicht und Muskelschmerzen galt es als mildes Schmerz- und Entzündungsmittel. In der Frauenheilkunde fand es Verwendung bei Regelschmerzen. Äusserlich wurden Umschläge bei Wunden und Hauterkrankungen angewendet. In der Homöopathie wird es (als Spiraea ulmaria) bei akutem und chronischem Gelenkrheumatismus eingesetzt.
In der Ceres-Signaturlehre verkörpert das Mädesüss Fülle und Milde: Die überschwäppenden, cremefarbenen Blütenrispen, die intensiv süsslich duften, der Wasserstandort, der Fluss bedeutet — all das spricht von einer Pflanze, die Starre löst, Fluss bringt und Schmerz mildert ohne zu betäuben.
Kalbermatten R. & H., Pflanzliche Urtinkturen – Wesen und Anwendung
AT Verlag
Kalbermatten R., Wesen und Signatur der Heilpflanzen
AT Verlag
Kommission-E-Monographie (BfArM)
EMA/HMPC Monographie
Quelle öffnenESCOP Monographien
European Scientific Cooperative on Phytotherapy
Wichtl M., Teedrogen und Phytopharmaka
Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft
Frisch geerntet, von Hand verlesen, bei Raumtemperatur vermörsert und über Jahre gereift. Keine Erhitzung, kein Druck — die volle Lebenskraft der Pflanze, bewahrt.
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