18. August 2026

Die Ringelblume (Calendula officinalis) ist eine leuchtende Begleiterin des Menschen: Welche Bräuche verbinden sich mit ihren Blüten? Wie wurde sie früher verwendet – und welche Spuren hat sie in Garten, Küche und Pflanzenkunde hinterlassen?
Seit Jahrhunderten wird die Ringelblume kultiviert und genutzt. Ihre auffälligen Blüten machten sie zu einer vertrauten Gartenpflanze, zugleich fanden sie Verwendung in Küche, Färberei und traditioneller Pflanzenkunde. Ihre Geschichte erzählt von einer Pflanze, die den Menschen auf ganz unterschiedliche Weise begleitet hat.
Die Ringelblume trägt zahlreiche volkstümliche Namen. Bezeichnungen wie Goldblume, Goldrose, Regenblume oder Sonnenbraut nehmen Bezug auf ihre leuchtende Farbe, ihre Blütenform oder ihr Verhalten im Tagesverlauf. Auch der Gattungsname Calendula wird traditionell mit dem lateinischen Wort calendae für den ersten Tag des Monats in Verbindung gebracht. Die genaue Herkunft des Namens ist allerdings nicht eindeutig geklärt.
Ihre Beziehung zum Licht hat die Wahrnehmung der Pflanze über lange Zeit geprägt. Die Blüten öffnen sich bei Tageslicht und schliessen sich häufig wieder, wenn es dunkler wird. Aus solchen Beobachtungen entstanden auch Wetterregeln: Geschlossene Blüten am Morgen galten als Hinweis auf bevorstehenden Regen. Solche Überlieferungen erzählen weniger über die tatsächliche Wettervorhersage als über die genaue Beobachtung der Pflanzenwelt durch frühere Generationen.
Die Ringelblume stammt vermutlich aus dem westlichen Mittelmeerraum und wird seit langer Zeit als Gartenpflanze kultiviert. Heute ist sie in vielen Teilen der Welt verbreitet. Ihre Anspruchslosigkeit und ihre lange Blütezeit haben dazu beigetragen, dass sie in Gärten eine vertraute Pflanze wurde.
Besonders eng verbunden sind Ringelblumen mit Kloster-, Kräuter- und Bauerngärten. Dort wurden sie nicht nur wegen ihrer leuchtenden Blüten geschätzt – sie gehörten auch zu den traditionellen Hausheilpflanzen. Ihre Samen sind unterschiedlich geformt und teilweise auffällig gekrümmt – eine Besonderheit, die sich auch im deutschen Namen „Ringelblume“ widerspiegelt.
Mit ihrer langen Blütezeit ist die Ringelblume zudem eine wertvolle Pflanze für zahlreiche Insekten. Als robuste und genügsame Gartenpflanze wird sie zudem vielseitig eingesetzt – etwa in Mischkulturen, zur Gründüngung oder als Bestandteil von Kompost.
Auch in der Küche hat die Ringelblume eine lange Tradition. Ihre Blütenblätter sind essbar und wurden wegen ihrer kräftigen Farbe zum Färben und Würzen verschiedener Speisen verwendet. Besonders bekannt ist ihre Verwendung als Färbemittel für Butter, Suppen, Reis oder Käse. Im englischen Sprachraum trägt die Pflanze deshalb unter anderem den Namen „pot marigold“ – ein Hinweis auf ihre Verwendung in der Küche.
Die Ringelblume wurde ausserdem als Ersatz für den wesentlich kostbareren Safran verwendet. Daher rührt die historische Bezeichnung „poor man's saffron“. Dabei ging es vor allem um die goldgelbe Farbe, nicht um eine geschmacklich gleichwertige Alternative zu echtem Safran.
Die medizinische Geschichte der Ringelblume reicht in Europa mindestens bis ins Mittelalter zurück. Eine frühe eindeutige Erwähnung findet sich bei Hildegard von Bingen aus dem 12. Jahrhundert. Sie bezeichnet die Pflanze als „Ringele“. Interessant ist dabei gerade, was Hildegard nicht überliefert: Entgegen mancher späterer Darstellungen weist sie der Ringelblume kein besonders breites Anwendungsspektrum zu. Bei ihr wird die Pflanze vor allem im Zusammenhang mit Beschwerden nach dem Verzehr ungeeigneter oder verdorbener Nahrung genannt.
In späteren Jahrhunderten erweiterte sich das Spektrum der traditionellen Anwendungen deutlich. Historische Quellen nennen unter anderem die Verwendung bei Hautverletzungen und Entzündungen. Die heutige europäische Bewertung knüpft an diese lange Tradition an: Die Europäische Arzneimittel-Agentur erkennt Calendula-Blüten als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Behandlung kleinerer Hautentzündungen und kleiner Wunden sowie bestimmter leichter Entzündungen im Mund- und Rachenraum an. Die Einstufung beruht dabei ausdrücklich auf langjähriger traditioneller Anwendung, nicht auf einem Nachweis durch moderne klinische Studien.
Bei der Calendula wird das blühende Kraut zur optimalen Blüte geerntet. Dabei sind bei den Pflanzen auch Knospen und vereinzelt Fruchtstände enthalten. Bevor die Pflanze geerntet wird, ist es wichtig, dass diese einige Tage volle Sonne erhalten hat. Denn nur dann entwickelt die Pflanze diese typische Klebrigkeit – das abgegebene Sekret –, die eines der Signatur-Merkmale ist. Die Pflanze riecht dann warm und harzig und verklebt die Haut beim Ernten.
Mehr zur Pflanzenverarbeitung bei Ceres: Die 4 Säulen der Ceres Qualität.
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