
Eine ganz besondere Pflanze begegnet uns in der Mistel (Viscum album L.). Vor allem zum Winter hin fällt sie auf, da sie auch dann grün ist. Es handelt sich um einen kugelig wachsenden Strauch, der zeit seines Lebens niemals den Boden berührt: Die Mistel wächst auf Laubbäumen. Sie wächst sehr langsam; alte Pflanzen können nach Jahrzehnten einen Durchmesser von 100 cm erreichen. Ihre klebrigen Früchte werden von Vögeln verbreitet und bleiben an der Rinde von Bäumen kleben. Nach dem Austreiben durchstösst der Samen mit einem Saugfortsatz die Rinde und findet Anschluss an das Gefässsystem des Wirtes. Hierdurch entzieht die Mistel ihrem Wirtsbaum Wasser und Nährsalze; Photosynthese betreibt sie selbst.
Die Triebe verzweigen sich gabelig — eine für mitteleuropäische Pflanzen ungewöhnliche Form. An den kurzen Ästen stehen die dunkelgrünen, ledrigen, länglichen Laubblätter (bis 8 cm lang). Die unscheinbaren gelbgrünen Blüten erscheinen von Februar bis April, oft noch bevor die Blätter der Wirtsbäume entwickelt sind. Die Blütenbildung beendet das Wachstum für das Jahr — daher lässt sich das Alter einfach bestimmen: Jedes Gabelstück entspricht einem Wachstumsjahr. Nach der Befruchtung bilden sich die weissen, längsgestreiften Früchte mit schleimig-klebrigem Fruchtfleisch, die erst im November oder Dezember reif werden.
Stille, Schwerelosigkeit
Die Mistel ist dem Wasser- und Luftelement unterstellt und entzieht sich ganz dem Wirkungsbereich der Erde und des Feuers. Auf den Menschen übertragen entsprechen die Elemente Luft und Wasser den Gefühlen und der Lebensenergie. Druck- und Spannungsunterschiede in der Atmosphäre entstehen naturgesetzmässig durch die Einwirkung von Wärme und Erdanziehungskraft. Da die Mistel von Wärme und Erdkräften nicht berührt wird, hält sie Druck und Spannung aus ihrem Wirkungskreis fern; Stress, angespannte Gefühle und ein hitziges Gemüt sind dem Wesen der Mistel fremd.
Da in solchen Gefühlszuständen eine häufige Ursache von Bluthochdruck liegt, ist ein Bezug zwischen dem Wesen der Mistel und ihrer körperlichen, blutdrucksenkenden Wirkung offensichtlich. Viscum album vermittelt ein Gefühl der inneren Stille und Schwerelosigkeit. Patienten mit Angstzuständen, Albträumen und/oder zu starker Empfänglichkeit für Mondeinflüsse sprechen gut auf eine Behandlung mit der Urtinktur in geringer Dosierung an.
Mistel, Weisse Mistel
Die Mistel ist ein immergrüner, strauchförmiger Halbparasit auf Bäumen. Die Äste verzweigen sich gabelig (dichotom), das heisst, an den Verzweigungspunkten entstehen immer gleich grosse neue Äste (meistens zwei). Diese Verzweigungsart führt zu der typischen kugelförmigen Gestalt der Mistel. Die Mistelkugeln werden im Durchmesser bis zu 1 m gross.
Die jüngeren Äste sind grünbraun. Die ganzrandigen, zungenförmigen Laubblätter sind olivgrün und sitzen meistens zu zweien gegenständig, seltener quirlständig an den Triebspitzen oder an den jüngeren Verzweigungsstellen. Am Ende jedes Gabelglieds ist eine blütentragende Spitze, die im Herbst und Winter die erbsengrossen weissen Früchte tragen. Diese sind sehr schleim- und klebstoffhaltig.
Wenn wir die Mistel mit der pflanzentypischen Gestalt vergleichen, fällt eine markante Abweichung auf. Die Mistel orientiert sich nicht an der Schwerkraft. Üblicherweise richtet eine Pflanze ihre Wurzeln nach unten, in die Erde und den Stengel nach oben, in die entgegengesetzte Richtung. Dies zeigt eine Wirkung der Erdenkraft auf die Pflanzen an.
Für die Mistel gibt es im Wachstum kein Oben und Unten, sondern sie breitet sich vollkommen sphärisch aus. Sie kennt als Bezugspunkt nur ihren eigenen Mittelpunkt und kümmert sich nicht um die Schwerkraft. Die weissen Mistelbeeren sind sehr klebrig. Auch das Licht der Sonne scheint nicht die sonst übliche Differenzierung an der Pflanzengestalt vorzunehmen.
Die Mistel entwickelt keine Duft- oder Geschmacksstoffe, keine Farben, keine differenzierten Blüten, Früchte oder Blattformen, die auf eine Lichtwirkung schliessen lassen. Die Mistel hat die denkbar einfachsten Formen: gabelige Verzweigungen, ovale Blätter, kugelförmige Früchte. Dies lässt darauf schliessen, dass vor allem Luft- und Wasserkräfte an der Gestaltung gewirkt haben. Wasserkräfte bilden die Blätter, und Luftkräfte strukturieren die Pflanze durch Verzweigungen.
Die Mistel ist ein Halbparasit, der auf verschiedenen Laubbäumen und Nadelbäumen (besonders Apfel, Eiche, Kiefer, Tanne) in Europa und Westasien wächst. Sie bildet kugelige, immergrüne Büsche und bevorzugt sonnige Standorte in Baumkronen.
Ceres verwendet Misteln aus Wildsammlung in der Schweiz. Es werden Misteln von Hochstämmen (Apfel) gesammelt. Die Ernte erfolgt bei Fruchtreife im beginnenden Winter von Hand.
Bei der Mistel, Viscum album L., handelt es sich um eine ganz besondere Kultur- und Heilpflanze, welcher magische und glücksbringende Eigenschaften zugeschrieben werden. In der Weihnachtszeit trifft man den Mistelzweig häufig in Türrahmen vieler Häuser an. Als Heilpflanze wurde die Mistel traditionell bei unterschiedlichen Herz- Kreislauf-Beschwerden, insbesondere bei hohem Blutdruck, Schwindelgefühlen und Herzrhythmusstörungen, eingesetzt. Die Römer stellten aus den Mistelbeeren den sogenannten Vogelleim her. Damit wurden Äste bestrichen, um angelockte Vögel zu fangen. Diese klebrige Eigenschaft kann man selbst wahrnehmen, wenn man Mistelbeeren zwischen den Fingern zerdrückt.
1. Hänsel, R. & Steinegger, E. Hänsel / Sticher Pharmakognosie Phytopharmazie. (Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft GmbH, Stuttgart, Deutschland, 2015).
2. Madaus, G. MADAUS LEHRBUCH DER BIOLOGISCHEN HEILMITTEL BAND 1-11. (mediamed Verlag, Ravensburg, 1990).
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6. Kalbermatten, R. & Kalbermatten, H. Pflanzliche Urtinkturen. (AT Verlag, Aarau, Schweiz, 2018).
7. Kalbermatten, R. Wesen und Signatur der Heilpflanzen. (AT Verlag, Aarau, Schweiz, 2016).
Frisch geerntet, von Hand verlesen, bei Raumtemperatur vermörsert und über Jahre gereift. Keine Erhitzung, kein Druck — die volle Lebenskraft der Pflanze, bewahrt.
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