
Passiflora incarnata
Herzensruhe, Zu-sich-selbst-Finden, Der ureigene innere Ton
Passiflora incarnata L., die Passionsblume, gehört zur Familie der Passifloraceae. Die meisten Arten sind in den Tropen und Subtropen Süd- und Mittelamerikas verbreitet und frostempfindlich; Passiflora incarnata weist eine gewisse Frosthärte auf. Die ausdauernde Kletterpflanze bildet 5-10 m lange, dünne, aber überraschend feste Stängel mit wechselständigen, tief dreilappigen Blättern. Lange einfache Ranken rollen sich korkenzieherartig ein, mit ihnen «zieht» sich die Pflanze nach oben. Bei warmer Witterung kann die Pflanze einen kohlartigen Geruch verströmen.
Von Juli bis September blüht die Pflanze mit ihren typischen, ausdrucksstarken Blüten, die aus konzentrischen Kreisen zusammengesetzt scheinen. Auffallend sind die 10 strahlenförmig nach aussen gerichteten, von oben weiss aussehenden Blütenblätter — von unten betrachtet teilen sie sich in 5 weisse Kron- und 5 grüne Kelchblätter. Eine fadenförmige Nebenkrone ist violett-weiss gebändert. Die 5 Staubblätter stehen weit ausladend an der Mittelsäule, im Mittelpunkt der Fruchtknoten mit drei markanten Griffeln. Jede Blüte erstrahlt nur etwa einen Tag. Die Früchte sind nicht so schmackhaft wie die der verwandten Maracuja-Arten.
Herzensruhe, Zu-sich-selbst-Finden, Der ureigene innere Ton
Die Passionsblume besitzt eine besondere Beziehung zum Herzen. Sie symbolisiert die Herzensruhe, das «ImEinklang-mit-sich-selbst»-Sein. Passiflora schenkt Herzensruhe und unterstützt den Prozess des Abschiednehmens.
Der Mensch schreitet von Lebenskreis zu Lebenskreis und durchlebt dabei Metamorphosen. Immer wieder muss er Abschied nehmen von etwas, das seinen Zweck erfüllt hat. So kann sich das Alte umwandeln in das Neue, Höhere.
Kann er den Abschied bejahen, beflügelt ihn das. Festhalten und Auflehnung ziehen ihn herunter und werden zum Quell von Unruhe und Sorge. Der Erwachsene lehnt sich häufig dagegen auf, Bekanntes, Liebgewordenes loszulassen.
Das Kind hingegen reagiert unmittelbar, unbewusst, direkt körperlich auf Veränderung. Die Folge davon können Bewegungsunruhe, Hyperaktivität oder aber Teilnahmslosigkeit und Rückzug sein. Wer selten Momente findet, die innere Ruhe zu pflegen, oder gleichzeitig in verschiedene Richtungen gezogen wird, läuft Gefahr, sich zu verlieren.
Das Wesen der Passiflora besitzt die Eigenschaft, Menschen aus der Peripherie des Lebens wieder zu sich selbst zurückfinden zu lassen. Sie verhilft dazu, den ureigensten inneren Ton wieder zu hören, wirkt lösend, ausgleichend und schenkt Ruhe. Der Mensch wird so in seiner Mitte gestärkt.
Passionsblume
Die verschiedenen Passiflora-Arten sind ausdauernde Kletterpflanzen, die aus den warmen Zonen des amerikanischen Kontinents stammen und schon seit Jahrhunderten ihrer schönen Blüten wegen als Zierpflanzen bei uns angebaut werden. Die Blüten sind wunderschön, aber auch sehr vergänglich, sie blühen nur einen Tag. Das Besondere an den Blüten sind die vielen konzentrischen Kreise, die wir in ihrem Bild erkennen können. Wenn wir die Blüte von oben betrachten und an der Peripherie mit unserer Untersuchung beginnen, erkennen wir einen Strahlenkranz aus 10 Blütenblättern, deren Zipfel einen äussersten Kreis bilden.
Schauen wir die Blüte nun von unten etwas genauer an, sehen wir, dass die 10 «Blütenblätter» aus 5 unterseits grünen Kelchblättern und den 5 dazwischen stehenden, unterseits farbigen Kronblättern bestehen. Die Pflanze hat durch diese farbliche Angleichung von Kelch und Krone auf der Oberseite eine Vereinheitlichung, eine Harmonisierung vorgenommen. Das wohl auffälligste Merkmal der Blüte ist die Nebenkrone innerhalb der schon erwähnten Kronblätter, bestehend aus unzähligen feinen Fäden. Diese Fäden sind in 4 Kreisen konzentrisch um die Blütenachse angeordnet.
Der äusserste Kreis besteht aus sehr langen, auf den Blütenblättern liegenden Fäden, die wie feine Linien nach aussen strahlen. Sie sind abwechselnd dunkelpurpur, weiss und hellpurpur gefärbt, was mehrere konzentrische Farbringe ergibt. Nun folgen die inneren Fadenkreise, die aus sehr kurzen, borstigen Stummeln bestehen. Weiter innen liegt dann der Kreis der 5, unten zu einer Röhre verwachsenen Staubblätter und zuinnerst, im Mittelpunkt, sehen wir den Fruchtknoten mit den 3 markanten Griffeln.
Insgesamt zählen wir in einer Blüte 10 konzentrische Kreise. Es ist offensichtlich, dass bei der Gestaltung dieser Blüte Kräfte am Werk waren, die einen wesenhaften Bezug zur Kreisform haben. Die intuitive Betrachtung des Wesens dieser Pflanze bestätigt diese Erkenntnis: Wir sehen eine unruhige Wasseroberfläche mit sich kräuselnden Wellen. Dann beginnen sich die ungeordneten Wellen zu legen, und es entstehen grosse, konzentrische Wellenringe, die sich auf ihren Mittelpunkt zu bewegen und kleiner werden.
Diese Mitte ist unser Herz. In der Mitte lösen sich nach und nach alle Wellenringe auf. Zurück bleibt eine ruhige, spiegelglatte Wasserfläche. Das soeben geschilderte Bild der inneren Wahrnehmung ist genau das Gegenteil von dem Bild, das entsteht, wenn man in ein ruhiges Wasser an derselben Stelle mehrmals hintereinander einen Stein hineinwirft.
Jeder Steinwurf verursacht einen neuen Wellenring, insgesamt sind es mehrere Ringe, die sich von der gemeinsamen Mitte zentrifugal ausbreiten und schliesslich die ganze Wasserfläche unruhig werden lassen. Die Passionsblume hat einen zentralen Bezug zum «psychischen» Herzen wie auch zum körperlichen Organ des schlagenden Herzens. Mit ihrem Wesen vermag sie die Unruhe des Herzens zu stillen. Ein wesenhaftes Heilmittel aus Passiflora wird vor allem bei Unruhezuständen infolge Herzensangelegenheiten, bei Angst, sorgenvollen Gedanken, Verlustängsten usw. angewandt.
Passiflora incarnata ist im südöstlichen Nordamerika heimisch (Virginia bis Florida) und wurde in Europa und anderen gemässigten Regionen als Garten- und Heilpflanze eingeführt. Sie bevorzugt sonnige bis halbschattige, gut durchlässige Böden.
Ceres verwendet Passionsblumenkraut aus Bio-Anbau. Die Pflanze wird im Tessin angebaut, da hier die Witterung und der Standort optimal für die Passiflora sind. Das blühende Kraut wird im Sommer geerntet.
Die Passionsblume, Passiflora incarnata L., stammt ursprünglich aus dem südlichen Nordamerika. Sie wird einzeln oder auch gemischt in Fertigarzneimitteln verwendet. Die Passionsblume ist bekannt für Ihre beruhigende, angstlösende Wirkung. Folglich können diese bei nervöser Schlaflosigkeit, Schlafstörungen, Unruhe- und Spannungszustände, Stress, Stimmungsschwankungen Krämpfen und Neurasthenie eingesetzt werden. Funktionelle und nervöse Herzbeschwerden, naturheilkundlich als Herzneurose bezeichnet, sind ein besonderer Anwendungsschwerpunkt der Passionsblume.
1. Hänsel, R. & Steinegger, E. Hänsel / Sticher Pharmakognosie Phytopharmazie. (Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft GmbH, Stuttgart, Deutschland, 2015).
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4. BGA/BfArM (Kommission D). Passiflora incarnata. Bundesanzeiger 190 a, (1985).
5. Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC). Assessment report on Passiflora incarnata L ., herba. EMA/HMPC/669738/2013 (2014).
6. Kalbermatten, R. & Kalbermatten, H. Pflanzliche Urtinkturen. (AT Verlag, Aarau, Schweiz, 2014).
7. Kalbermatten, R. Wesen und Signatur der Heilpflanzen. (AT Verlag, Aarau, Schweiz, 2016).
R. & H. Kalbermatten — «Psyche des Menschen und Signatur der Heilpflanzen»
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