Ceres Redaktion · 10. April 2026

Was eine erste klinische Beobachtungsstudie zur Ceres Hypericum Urtinktur zeigt — und was sie nicht zeigt. Prospektive Studie mit 52 Patientinnen und Patienten in der Schweiz.
Studienquelle: Kalbermatten N, Saller R. Complementary Medicine Research, 2025
Studiendesign: Prospektive, multizentrische Beobachtungsstudie
Publiziert: September 2025 · DOI: 10.1159/000547920
Johanniskraut (Hypericum perforatum) gehört zu den am besten untersuchten Heilpflanzen der westlichen Medizin. Für hochdosierte Trockenextrakte existiert eine breite Evidenzbasis: Mehrere randomisierte kontrollierte Studien und systematische Übersichtsarbeiten, darunter ein Cochrane Review, kommen zum Schluss, dass sie bei leichten bis mittelschweren Depressionen mit synthetischen Antidepressiva vergleichbar wirksam sind — bei gleichzeitig günstigerem Nebenwirkungsprofil.
Weniger untersucht waren bisher niedrig dosierte Zubereitungen wie Urtinkturen — also ethanolische Frischpflanzenextrakte, die nach den Vorschriften des Homöopathischen Arzneibuchs (HAB) hergestellt werden. Für die Ceres Hypericum Urtinktur lag bislang keine formale klinische Studie vor. Das hat sich 2025 geändert.
Die Beobachtungsstudie wurde von Natalie Kalbermatten (Kantonsspital Münsterlingen) und Reinhard Saller (Universität Zürich) durchgeführt. Eingeschlossen wurden 52 ambulante Patientinnen und Patienten mit einer ärztlich diagnostizierten leichten bis mittelschweren depressiven Episode, die von ihren behandelnden Hausarztpraxen in der deutschsprachigen Schweiz mit der Ceres Hypericum Urtinktur behandelt wurden.
Als Messinstrument diente die Hamilton Depression Scale 17 (HAM-D 17) — dasselbe Instrument, das in den grossen randomisierten Studien mit hochdosierten Trockenextrakten eingesetzt wurde. Gemessen wurde zu Beginn und nach sechs Wochen Behandlung. Die durchschnittliche tägliche Dosis lag bei 11–12 Tropfen — deutlich unterhalb der Dosen, die in Studien mit Trockenextrakten verwendet wurden.
Die Urtinktur enthält markant weniger Hypericin und Hyperforin als hochdosierte Trockenextrakte — trotzdem zeigten sich vergleichbare Verläufe.
Der HAM-D-17-Score sank bei den mit der Ceres Hypericum Urtinktur behandelten Patientinnen und Patienten im Beobachtungszeitraum um 49 % (strenge Auswertung, 42 Personen) beziehungsweise 52 % (erweiterte Auswertung, 51 Personen). In den Vergleichsstudien mit hochdosierten Trockenextrakten lag dieser Rückgang zwischen 45 % und 59 %.
Als Responder — also Personen mit einem Rückgang des HAM-D-17-Scores um mindestens 50 % — galten in der Beobachtungsstudie 50 % beziehungsweise 57 % der Teilnehmenden. Die Vergleichsstudien berichteten Responderraten zwischen 42 % und 70 %.
Unerwünschte Ereignisse wurden bei 4 % der Teilnehmenden dokumentiert — in den Vergleichsstudien mit Trockenextrakten lag dieser Anteil zwischen 20 % und 39 %. Eine Patientin berichtete von verstärkten Hitzewallungen; der behandelnde Arzt schätzte einen wahrscheinlichen Zusammenhang mit der Urtinktur als gegeben ein. Ein Patient wünschte nach drei Wochen den Wechsel zu einem synthetischen Antidepressivum — dieser Entscheid wurde nicht auf die Urtinktur zurückgeführt.
Die Autorinnen und Autoren betonen ausdrücklich die Grenzen dieser Arbeit. Als Beobachtungsstudie ohne Kontrollgruppe lässt sie keine Aussagen über Kausalität zu. Placeboeffekte, die begleitende ärztliche Unterstützung sowie die natürliche Rückbildungstendenz depressiver Episoden könnten das Bild beeinflussen.
Auch ist die Stichprobengrösse mit 52 Personen klein, und die Ausgangswerte auf der HAM-D-Skala lagen im unteren Bereich des für die Studie definierten Schweregrads. Die Autoren sehen ihre Ergebnisse ausdrücklich als Pilotdaten — als Basis für weiterführende klinische Studien, nicht als abschliessenden Beleg.
Diese Studie informiert über den realen Einsatz der Ceres Hypericum Urtinktur und deren Verträglichkeit. Sie ersetzt keine ärztliche Beurteilung und begründet keine Indikationsaussagen.
Die Studie beschreibt die Herstellungsweise der Ceres Hypericum Urtinktur im Detail: Ausschliesslich Pflanzen aus biologischem oder biodynamischem Anbau oder aus Wildsammlung, Handernte zum definierten Erntezeitpunkt (zwei Drittel in Knospe, ein Drittel in Blüte), rhythmisches Mahlen in einer eigens entwickelten Mühle sowie eine durchschnittliche Lagerung von zwei Jahren in einem temperierten Dunkelraum.
Die Autoren diskutieren verschiedene Hypothesen, warum eine Urtinktur trotz deutlich niedrigerer Mengen bekannter Einzelstoffe — Hypericin, Hyperforin, Flavonoide — vergleichbare Verläufe zeigen könnte: darunter die potenzielle Rolle noch nicht strukturell zugeordneter Inhaltsstoffe, Einflüsse des Erntezeitpunkts und Herstellungsprozesses auf das pflanzliche Spektrum sowie qualitative Aspekte wie Geruch und Geschmack der Tinktur, die nach Auffassung einzelner beteiligter Ärzte das therapeutische Erleben mitprägen.
Die Erstautorin Natalie Kalbermatten ist Angehörige der Gründerfamilie der Ceres Heilmittel AG und heute Aktionärin — zum Zeitpunkt der Studiendurchführung war sie es nicht. Die Ceres Heilmittel AG hat die Studie finanziell unterstützt, indem sie die teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte für die Dokumentation der Patientendaten entschädigt hat. Diese Angaben sind in der Publikation vollständig offengelegt.
Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Complementary Medicine Research (Karger Verlag) publiziert und durchlief ein reguläres Peer-Review-Verfahren.
Kalbermatten N, Saller R. St John’s Wort (Hypericum perforatum) Fresh Plant Tincture for Patients with Mild to Moderate Depression: A Prospective Observational Study. Complement Med Res. 2025;32(5):363–375. DOI: 10.1159/000547920
Open Access: pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12622987
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