
Avena sativa
Belastbarkeit, Auffangen von Erschütterungen, Stabilisierung von Rhythmen
Der Hafer (Avena sativa L.) gehört zur Familie der Süssgräser (Poaceae). Er wird 60 bis 150 cm hoch. Seine lineal-lanzettlichen Blätter umfassen den Stängel und werden bis 450 mm lang; sie fühlen sich fein-rau an. Der Hafer blüht von Juni bis August. Im Gegensatz zu anderen Getreidearten ist sein Blütenstand anders angeordnet: Die Blüten stehen in einer Rispe mit frei beweglichen, hängenden Blüten — die anderen Getreidesorten haben die Blüten eng am Halm in Form einer Ähre. Das Herkunftsgebiet ist nicht sicher bekannt; heute wird Hafer weltweit angebaut. Er wächst auch auf ungünstigen Standorten, durchwurzelt den Boden intensiv und dient als Erosionsschutz.
Belastbarkeit, Auffangen von Erschütterungen, Stabilisierung von Rhythmen
Es ist das Wesen des Hafers, die Energie von Einflüssen, die uns aus dem Rhythmus bringen können, zu absorbieren. Diese liegen dann vor, wenn wir uns bedrängt oder gejagt fühlen, sei es durch schwer zu bewältigende Aufgaben, Arbeiten unter Zeitdruck, Bedrängnis oder Erschütterungen. Hafer fängt Erschütterungen auf und fördert dadurch die Belastbarkeit.
Er unterstützt die seelische Bewältigung von äusserem Druck wie auch von grosser körperlicher Erschöpfung. Unsere Zeit ist gekennzeichnet von schnell wechselnden Anforderungen, Anweisungen, Vorschriften und Arbeitsabläufen und nicht zuletzt von sich jagenden Bildern. Kaum ist etwas entstanden, wird bereits eine Umstrukturierung, eine »Verbesserung« angestrebt.
Für viele Menschen ist dies die Realität ihres Arbeitsalltags. Bei nervösen Erschöpfungszuständen und beim Verlust des Rhythmus aufgrund der genannten Situationen oder nach zehrenden Krankheiten wirkt Hafer nervenstärkend und vermag den gestörten Schlaf-WachRhythmus wieder einzupendeln.
Seelische Energie – die Voraussetzung für die Belastbarkeit in schwierigen Situationen – fliesst uns nur dann zu, wenn verschiedene Tätigkeiten in einem bestimmten Rhythmus ausgeführt werden. Die Aufgaben müssen innerhalb einer angemessenen Zeit (nicht zu kurz und nicht zu lange) zu Ende geführt werden können. In dieser Hinsicht ist der Mensch in die natürlichen Rhythmen eingebunden.
Steht der Rhythmus des menschlichen Alltags nicht mehr in Resonanz dazu, entsteht ein grosser Energieverlust, eine Zerrissenheit, Stress. Der Mensch wird – bildlich gesprochen – durchs Leben gejagt. Feinfühlige Menschen reagieren in besonderem Masse auf diese Situationen.
Hafer vermag durch sein stabilisierendes Wesen einerseits die Belastbarkeit zu erhöhen und andererseits das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass man sich oft selbst einer unnötigen Beunruhigung und Hektik ausliefert, indem man sich in den Strudel der vielfältigen Angebote ziehen lässt. Bei einer bewussten Wahl und allenfalls auch einem Verzicht kann sich im menschlichen Wesen wieder eine unerschütterliche Ruhe verankern. Dies bezieht sich auch auf eine eventuell vorliegende Suchtproblematik.
Hafer
Der Hafer, zur Familie der Gräser (Graminaceae) gehörend, ist eine äusserst bewegliche und elastische Pflanze; alles Starre ist ihm fremd. Vergleichen wir ihn mit anderen Getreidepflanzen wie Gerste, Roggen oder Weizen, fällt uns ein grosser Unterschied in der Anordnung der Blüten bzw. Früchte auf. Die Früchte dieser Getreidearten sitzen dicht am Stengel und bilden eine kompakte Ähre.
Wie anders gebärdet sich da der Hafer. Seine Blüten bzw. später die Früchte hängen an feinen, filigranen Stielchen. Wenn ein Haferfeld im Wind wogt, beginnen die feinen Blüten in einer zweiten, zusätzlichen Schwingung leise zu vibrieren und eine stille Melodie zu spielen. Dies ist möglich, weil die Blüten nicht starr am Stengel befestigt, sondern an sehr dünnen Blütenstielen beweglich aufgehängt sind.
Wie muss ein Gebäude konstruiert sein, um starke Erschütterungen aufzufangen, also etwa ein Bau in einem erdbebengefährdeten Gebiet? Starre Konstruktionen taugen hier wenig, gefordert ist eine Bauweise, die die Energie von Erschütterungen absorbieren kann. So ist auch der Blütenstand des Hafers aufgebaut. Das Wesen seiner Konstruktion ist das Tragen von oben wie bei einer Hängebrücke.
Zum Vergleich wären die anderen Getreidearten dann Brücken, die auf festen Pfeilern abgestützt sind. Der inneren Wahrnehmung erschliesst sich der Hafer als ein Kraftliniensystem aus einer tragenden Bogenkonstruktion mit aufgespannten Saiten – wie bei einer Harfe. Hafer – Harfe, die Ähnlichkeit der Begriffe ist gewiss kein Zufall. Die Pflanze Hafer und das Instrument Harfe besitzen eine Wesensverwandtschaft.
Ceres verwendet frisches Hafergrün aus Demeter-Anbau in der Schweiz. Geerntet wird die Pflanze zu beginnender Blütezeit — ein enger Erntezeitpunkt, der grosse Sorgfalt erfordert.
Das Wort «Avena» soll aus dem Sanskrit «avasa» stammen, was «Nahrung» bedeutet. Aus diesem Grund verwundert es nicht, dass der Hafer insbesondere im Mittelalter eine der wichtigsten Getreidearten war. Seine große Bedeutung als gesundheitsförderndes Nahrungsmittel wurde auch von Paracelsus und vom Kräuterpfarrer Sebastian Kneipp betont. Darüber hinaus gelten arzneiliche Zubereitungen aus Hafer als ein ausgleichendes Tonikum für das Nervensystem. Deshalb kann der stärkende Hafer in allen Altersgruppen bei den Folgen von Stress und Überarbeitung eingesetzt werden. Die kräftigenden Eigenschaften dieser Getreideart erklären auch seinen Einsatz in der Phase der Rekonvaleszenz nach erschöpfenden und auszehrenden Krankheiten. Traditionell wird der Hafer auch bei Stimmungsschwankungen und leichten Schlafstörungen angewendet. In der Literatur finden sich auch Hinweise auf die Möglichkeit Hafer zur unterstützenden Begleitung von Menschen mit Suchtproblemen einzusetzen.
1. Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC). Assessment report on Avena sativa L., herba and Avena sativa L., fructus. (2008).
2. Madaus, G. MADAUS LEHRBUCH DER BIOLOGISCHEN HEILMITTEL BAND 1-11. (mediamed Verlag, Ravensburg, 1990).
3. Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC). Community Herbal Monograph on Avena sativa L
4. BGA/BfArM (Kommission D). Avena sativa. Bundesanzeiger 190a, (1985).
5. Vonarburg, B. Homöothanik - Arzneipflanzen der Homöopathie. (Haug Verlag, 2009).
6. Kalbermatten, R. & Kalbermatten, H. Pflanzliche Urtinkturen. (AT Verlag, Aarau, Schweiz, 2014).
7. Kalbermatten, R. Wesen und Signatur der Heilpflanzen. (AT Verlag, Aarau, Schweiz, 2016).
Frisch geerntet, von Hand verlesen, bei Raumtemperatur vermörsert und über Jahre gereift. Keine Erhitzung, kein Druck — die volle Lebenskraft der Pflanze, bewahrt.
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