
Die beiden Augentrost-Arten Euphrasia stricta und Euphrasia rostkoviana gehören zur Familie der Sommerwurzgewächse (Orobrancheae). Beide kommen auf Wiesen und Weiden, gerne in höherer Lage und auf nährstoffarmen, mageren Standorten vor. Werden die Wiesen gedüngt, verschwindet der Augentrost rasch. Beide Arten werden 5 bis 30 cm hoch; sie sind klein, aber gut sichtbar. Die Stängel stehen straff aufrecht und sind mit langen, aufrechten Ästen verzweigt. Euphrasia stricta ist kurz behaart, Euphrasia rostkoviana mit Drüsenhaaren besetzt. Die Blätter sind eiförmig.
Beide Arten blühen im Sommer und Herbst. Interessant bei Euphrasia ist, dass Blühphase und vegetative Wachstumsphase sich nicht gegenseitig hemmen — Euphrasia blüht weiter, während sie wächst. Die relativ grossen Blüten sind weiss, mit zusätzlicher Färbung auf der Oberlippe (violett) und Unterlippe (gelb). Die Pflanzen sind «Halbschmarotzer», die einen Anschluss an die Wurzeln von Wiesenpflanzen brauchen. Mit Saugwurzeln entnehmen sie Wasser und Nährstoffe und formen so ihre Umgebung: Die «angezapften» Pflanzen wachsen weniger stark, und der Augentrost gewährleistet so seine eigene Sichtbarkeit.
Blick für das Naheliegende, Sinnfindung
Die Augen werden im Volksmund als Fenster der Seele bezeichnet. Tatsächlich könnte man das helle Leuchten einer Gruppe von Augentrost als Fenster zu einer anderen Welt, zum Innern der Erde bezeichnen. Der Augentrost gehört zu den Pflanzen, die ihre optische Wirkung vor allem in der Gruppierung, im Verbund vieler Einzelner erzielen.
Von einer Gruppe Augentrost geht eine intensive Lebendigkeit, ein Leuchten aus. Das intensive Licht kann mit dem Feuer im Erdinnern, mit dem Herzen der Erde in Verbindung gebracht werden. Die Erde lebt, sie leuchtet und will wahrgenommen werden.
Oft bemerkt der Mensch nicht, wie weit er sich von seinem «Standort» entfernt hat, so sehr ist ihm das Weiterkommen vor Augen. Er pflegt seine Beziehung zur Natur, zum Planeten Erde nicht mehr bewusst, worunter bezeichnenderweise auch die Augen leiden.
Die Sehkraft verschlechtert sich, es können Bindehautentzündungen entstehen, da die Augen auch am Bildschirm überanstrengt werden und Schaden nehmen. Augentrost wirkt erfolgreich bei Ermüdungserscheinungen der Augen oder Fremdkörpergefühl. Darüber hinaus besitzt er das Vermögen, eine neue, intensivere Sichtweise dem Leben gegenüber zu verleihen.
Er öffnet die Augen für das hinter den Dingen liegende geistige Prinzip, für die Schönheit des Einfachen. Augentrost lenkt die Aufmerksamkeit auf das Naheliegende, das Leuchten vor unseren Füssen. Er vermittelt Frohsinn durch Einfachheit, durch die Kraft des Elementaren und verhilft zur Stärkung der inneren und äusseren Sehkraft.
Augentrost
Der Augentrost (Euphrasia officinalis) ist sehr verbreitet auf Wiesen der montanen und alpinen Höhenstufen. Auffällig sind die schönen Blüten dieser kleinen Pflanze. Der Augentrost ist eins der Gewächse, die in der Literatur immer wieder als Beispiel für die – wie gesagt unserer Überzeugung nach triviale – Signaturenlehre angeführt wird, also die Vorstellung, dass eine Pflanze die Wirkung auf ein Organ durch eine auffällige Ähnlichkeit mit diesem Organ anzeigt. Der Augentrost könnte tatsächlich ein solches Beispiel sein, doch ein viel stärkeres Argument für seine bekannte Wirkung auf die Augen ist die Tatsache, dass er ein Halbschmarotzer ist.
Obwohl der Augentrost über grüne Blätter verfügt, die Licht assimilieren, kann er nicht alle Energie (stofflich und ätherisch), die er braucht, durch die Photosynthese selbst erzeugen. Die Pflanze ist somit in ihrer Vitalität stark reduziert, was sich unter anderem auch dadurch äussert, dass sie nach der Ernte sehr rasch abbaut und sich zersetzt. Die Tinktur ist intensiv dunkelbraun, sie erscheint beinah schwarz, was auf verstärkte Abbauprozesse hinweist. Dieser eingeschränkten Vitalität steht ein starker Bezug der Blüten zu Licht und Farbe als Gegenpol gegenüber. Wir finden im Augentrost eine Polarität zwischen betonter Lichtqualität und geschwächter Vitalität.
Der Augentrost ist in Europa und Westasien verbreitet und wächst als Halbparasit auf nährstoffarmen Wiesen, Magerrasen und Heiden — er zapft die Wurzeln von Gräsern an, ohne sie zu töten. In der Schweiz ist er besonders auf Bergwiesen häufig.
Ceres bezieht Augentrost aus Wildsammlung in der Schweiz. Die frische blühende Pflanze wird im Sommer zur Blütezeit geerntet, von Hand, an geeigneten ungestörten Bergstandorten.
Die Anwendungsgebiete von Augentrost, Euphrasia, stammen überwiegend aus dem Bereich der volksmedizinischen Heiltradition. Innerliche und äußerliche Anwendungsformen sind bei dieser Heilpflanze gleichermaßen gebräuchlich. Der für Arzneipflanzen eher außergewöhnliche Einsatz im Bereich der Augen, ist in der Phytotherapie, der Homöopathie und der anthroposophischen Medizin gleichermassen bekannt und geschätzt. Zu den Anwendungsgebieten gehören entzündliche und allergische Beschwerden, sowie Ermüdungserscheinungen im Bereich der Augen, wie Rötungen, Schwellungen, vermehrte Tränenabsonderungen, Brennen, Fremdkörpergefühl und Lidödeme. Der Arzneimittelmarkt bietet eine Reihe verschiedener Euphrasia-Augentropfen an. Die lokale Anwendung des Krauts in Form von Umschlägen, Augenbädern und Spülungen ist jedoch aus hygienischen Gründen nicht empfohlen, da z.B. aus dem Kraut irritierende Partikel ins Auge gelangen könnten. Unter Einhaltung steriler Bedingungen sind Zubereitungen aus Euphrasia bei Konjunktivitis jedoch durchaus geeignet, wie in einer Studie bewiesen wurde.
1. Hänsel, R. & Steinegger, E. Hänsel / Sticher Pharmakognosie Phytopharmazie. (Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft GmbH, Stuttgart, Deutschland, 2015).
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9. Kalbermatten, R. & Kalbermatten, H. Psyche des Menschen und Signatur der Heilpflanzen. (AT Verlag, Aarau und München, 2020).
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